Agrypnie
Erg
1. Aus rauchlosem Feuer
Immerwährend lodern die gleißenden Flammen
Kein Meer dieser Welt vermag sie zu löschen
Siedendes Blut strömt durch die brennenden Adern
Sengend die Hitze doch kein Brandmal tragend
Keine Berührung verbrennt fremdes Fleisch
Funken verschleiern den fiebrigen Geist
Stetig einsam der Weg
Durch entartete Massen
Jeder Reiz, jeder Blick
Entfacht aufs neue die ewige Glut
Stetig einsam der Weg
Durch entartete Massen
Zu Asche zerfallene Körper
Der Wind verweht euer nichtiges Dasein
Eure Fackeln entzünden die Welt
Der glühende Himmel auf ewig verdunkelt
Walzen aus Feuer überrollen die Ödnis
Jahrhunderte getilgt im Augenblick
Spurlos dem Gedächtnis entschwunden
Die Geschichte schreibt ihr beschworenes Ende
Meine Flammen ersterben
Stille hält Einzug
Die verbrannte Hülle bar jedem Reiz
In den Weiten der Leere das Dasein erloschen
Das Diesseits entschwunden
Die Worte für immer verstummt
Das Rad der Zeit steht im Stillstand
Der Regen spült die erkaltet Asche hinfort
2. Meer ohne Wasser
Die Luft steht in Flammen
Die Hitze brennt erbarmungslos
Das Murmeln des Riesen
Wie in Wellen die Bewegung
Der Blick getrübt
Der Körper ausgedörrt
Die Spuren deines Weges
Ungesäumt vom Sand getilgt
Immer schwerer und schwerer der Schritt
Immer weiter und weiter der Horizont
Bleischwer die erlahmenden Glieder
Aus der vertrockneten Kehle erbrichst du lautlos Leere
Immer schwerer und schwerer der Schritt
Immer weiter und weiter der Horizont
Wie in Zeitlupe erstreckt sich der Augenblick
Stück für Stück ertrinkst du im Meer ohne Wasser
Der letzter Funke glimmt und droht zu ersticken
Der Druck auf der Brust entreißt den schwachen Atem
Flehend das Wort an dich selbst gerichtet
Keine helfende Hand wird dich je der Tiefe entreißen
Dein Dasein liegt im Würgegriff der Agonie
Dein Licht erlischt, die Schwärze holt dein Leben
Die tiefen Stimmen der majestätischen Dünen
Begleiten teilnahmslos deinen stillen Niedergang
Kreisende Gedanken an unbeschrittene Wege
Kreisende Gedanken an verschwiegene Worte
Wie ein Trugbild über den Sicheln
Deine kurze Existenz verschluckt vom Mahlstrom des Sands
3. Sturm
Taub die Füße versunken im kalten Schlick
Fest der Blick gerichtet zum grauen Horizont
Auf den Lippen getrocknet das Salz
Starr der Körper gefangen in Sturmes Griff
In Bewegung die Stränge fern im Rücken
Trübe Augen gen Sturmfront blickend
Laut das Ächzen, störrisch trotzt das alte Holz
Schlaffe Glieder, Windspiel der Gerichteten
Keine Gnade in Aussicht gestellt
Die letzten geheuchelten Worte
Im Rauschen der Blätter verebbt
Elmsfeuer erleuchtet die Krone
Wer Wind sät, wird Sturm ernten
Im endzeitlichen Tosen
Verstummen die Gedanken
Im endzeitlichen Tosen
Wird jede Schuld gerichtet
Wie tausend Klingen wütet der eisige Sturm
Entwurzeltes Holz, die Körper voll groteskem Leben
Lautes Grollen verkündet zerschlagende Fluten
In Aufruhr der Geist ob des letzten Moments
Dem Meer das Land für immer übergeben
Keine Dämme vor Poseidon gefeit
In Umarmung der reißenden Wogen
Im letzten Augenblick den Dreizack vor Augen
4. Blut
Namenlose Gräber
Hinter eingebrochenen Mauern
Verwittert und vergessen
Leise heult der Wind ein Klagelied
Karg das Tageslicht
Die Finger blutig und zerrissen
Das Laub zu Stein gefroren
Eisig schneiden Tränen ins Gesicht
Die Kälte lähmt das Denken
Doch Verzweiflung führt den Körper
Zitternd auf ein Grab gesunken
Unbeirrt wie wild am Scharren
Jäh aus der Manie gerissen
Der Blick starrt in die Ferne
Verrottend ruhen die Momente
Für immer in der Tiefe
Blut quillt aus den Händen
Die Schreie längst ein Schluchzen
Schwelgend in Erinnerung
An kindliche Arglosigkeit
Und Schweigen legt sich abermals
Wie ein Schleier auf das triste Gräberfeld
Blut quillt aus den Händen
Die Schreie längst ein Schluchzen
Schwindend verweigert sich der Geist
Ohne Wiederkehr der Augenblick
Und Schweigen legt sich abermals
Wie ein Schleier auf das triste Gräberfeld
Taumelnd und von Sinnen
Ohne Antworten die tiefen Gräber
Das Anliegen vergebens
Bleiern lastet die Resignation
Das Tageslicht versunken
Regungslos der taube Körper
Gnadenvoll naht die Erlösung
Leise heult der Wind ein Klagelied
Leise heult der Wind ein Klagelied
5. Entität
Prasselnd trifft der Regen auf den Asphalt
Das monotone Rauschen durchbricht die Stille
der vom Neonlicht erleuchteten Straßen
Petrichor liegt in den Wogen der kühlen Luft
Das rege Leben nach den Stunden der letzten Nacht
Liegt erneut und auf ewig im Zyklus von Morpheus Armen
Hinter der stählernen Brüstung erstreckt sich die Tiefe
Die Kleidung durchnässt, der Körper am beben
Die Augen gebannt auf die Leere gerichtet
Krampfend umschließen die Fäuste den kalten Stahl
Die Gedanken diffus, die Schwärze verlangt nach dem Geist
Die Welt erliegt dem jähen Stillstand der Zeit
Inmitten der glühenden Sterne
In den tiefen Weiten der Endlosigkeit
Die Gedanken befreit von allem Weltlichen
Ein letzter Blick zurück auf die Sterblichkeit
Eins mit dem kosmischen Staub
Auf ewig die Schwere des Seins getilgt
Treibend im Strom aus Raum und Zeit
Zersetzt die sterbende Hülle
Jenseits der Trümmer deines Glaubens
Erstreckt sich ein neuer Morgen
Blutig der Pfad deiner endlosen Schlachten
Übersät das alternde Fleisch von Narben
Jenseits der Trümmer deines Glaubens
Erstreckt sich ein neuer Morgen
Von neuem verwachsen einst gebrochene Knochen
Unerschöpflich das Meer aus brodelnder Wut
Prasselnd trifft der Regen auf den Asphalt
Das monotone Rauschen durchbricht die Stille
Der vom Neonlicht erleuchteten Straßen
Geistlose Bauten sind stumme Zeugen
Nur die Sterne weisen den einsamen Weg
Das Tageslicht streift schwach die eiserne Brüstung
Jenseits der Trümmer deines Glaubens
Erstreckt sich ein neuer Morgen
Blutig der Pfad deiner endlosen Schlachten
Übersät das alternde Fleisch von Narben
Jenseits der Trümmer deines Glaubens
Erstreckt sich ein neuer Morgen
Von neuem verwachsen einst gebrochene Knochen
Unerschöpflich das Meer aus brodelnder Wut
6. Stunde des Wolfes
Schemen bevölkern die vom Mondlicht getränkten Wände
Die Stille der Nacht vergiftet den gelähmten Geist
Ohne Impuls der ruhende Körper entgeistert die Gedanken
Die Stunden der Finsternis entfesseln das tobende wilde Tier
Unerträglich der Blick aus euren leeren Augen und toten Seelen
Unerträglich das Wort aus euren heuchlerischen Kehlen
Für immer geblendet soll das Licht eurer Augen erlöschen
In Strömen soll dunkles Blut aus euren offenen Kehlen fließen
Ingrimm übernimmt die Kontrolle das Brüllen hallt durch die Nacht
Der Körper bar jeder Menschlichkeit grotesk das bestialische Antlitz
Kaltblütig die Hetzjagd der Instinkt getrieben von Raserei
In der Stunde des Wolfes kann sich niemand in Sicherheit wähnen
Eure Welt soll in Furcht versinken
Niemand soll Gnade erfahren
Im Gurgeln verklingen Gebete
Eure Körper des Lebens entraubt
Nie endet die Schwärze der Nacht
Nie schweigt das Grollen im Kopf
Nie erlangt die Seele die Freiheit
Nie endet der Kampf gegen die Bestie
7. Geister
Tausende Gesichter
Tausende Momente
Heimsuchend wie Geister
Die aus den Schatten die Wirklichkeit betreten
Tausende Gedanken
Tausende Perspektiven
Haltlos wie der Sand
Der vom Wind in die Weite getragen wird
Zerrissen wie die alte Leinwand
Die in der Ecke ihr Dasein fristet
Zersprungen wie der blinde Spiegel
Der lange schon das Selbst verschmäht
8. Unter Sand
Es ist nur Sand
Raunt die Unschuld
Ein Nichts, das durch die Finger rinnt
Doch tückisch, wenn bewegt vom Wind
Und formlos lauernd harrt
Es ist der Sand
Staunt die Unschuld
Ein Koloss, der bewegt vom Wind
Sich sammelt, wo die Mauern sind
Bevor er stumm erstarrt
Alles ist Sand
Greint die Unschuld
Er türmt sich, wo die Mauern sind
Er greift nach Heimat, Geist und Kind
Die hilflos aufgebahrt
Es war der Sand
Weiß der Nachtwind
Verloren Heimat, Geist und Kind
Zu lange für das Kleine blind
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